Das Wichtigste in Kürze:
- 50 € im Monat je Mitarbeiter sind als Sachbezug steuer- und abgabenfrei – bis zu 600 € im Jahr.
- Freigrenze, nicht Freibetrag: ein Cent darüber, und der volle Betrag wird steuerpflichtig.
- Kein Bargeld. Nur Sachbezüge sind begünstigt, deshalb der Umweg über Gutscheinkarten.
- Zusätzlich zum Gehalt. Als Gehaltsumwandlung funktioniert die Gutscheinkarte nicht.
- Anbieter nehmen die Abwicklung ab, nicht die Datenpflege.
Wenn ein Mitarbeiter 50 € mehr im Monat bekommen soll, kostet Sie das über das Bruttogehalt mehr als das Doppelte – Lohnsteuer und Sozialabgaben auf beiden Seiten. Über die Sachbezugsfreigrenze kommen 50 € ohne Abzüge an – als Kartenguthaben statt als Geld. Das ist einer der wenigen Hebel, bei denen Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichzeitig gewinnen.
Was kostet mich das im Vergleich zur Gehaltserhöhung?
| Gehaltserhöhung | Gutscheinkarte | |
|---|---|---|
| Kommt bei Ihrem Mitarbeiter an | 50 € | 50 € |
| Dafür nötiges Brutto | rund 91 € | 50 € |
| Ihre Kosten im Monat | rund 110 € | 50 € plus Anbietergebühr |
| Ihre Kosten im Jahr | rund 1.320 € | 600 € plus Anbietergebühr |
Das ist eine Überschlagsrechnung für einen Mitarbeiter mit 3.500 € Bruttolohn im Monat, Steuerklasse I, ohne Kinder, ohne Kirchensteuer, gesetzlich versichert mit 2,9 % Zusatzbeitrag der Krankenkasse (Werte 2026): Von jedem zusätzlichen Euro Gehalt gehen bei ihm rund 23 % Lohnsteuer und rund 22 % Sozialabgaben ab, und Sie zahlen als Arbeitgeber rund 21 % Sozialabgaben obendrauf. Umlagen und Unfallversicherung sind nicht eingerechnet. Im Einzelfall weichen die Werte ab. Andere Beträge rechnet der Rechner auf der Themenseite Gehaltsextras.
Wie funktioniert die 50-Euro-Freigrenze?
Sie dürfen Ihren Mitarbeitern monatlich Sachbezüge bis 50 € zuwenden, ohne dass Lohnsteuer oder Sozialabgaben anfallen (§ 8 Abs. 2 Satz 11 EStG). Über das Jahr sind das 600 € je Person, die netto wie brutto ankommen.
Drei Regeln entscheiden darüber, ob das funktioniert:
Es ist eine Freigrenze, kein Freibetrag. Wird sie überschritten – und sei es um einen Cent –, ist der komplette Betrag steuer- und beitragspflichtig. Nicht nur der übersteigende Teil.
Es muss ein Sachbezug sein. Bargeld oder ein Gutschein, der sich in Bargeld tauschen lässt, ist steuerpflichtiger Arbeitslohn. Genau deshalb gibt es die Kartensysteme: Die Karten gelten nur bei einem begrenzten Kreis von Händlern oder nur für eine eng begrenzte Auswahl an Waren und Dienstleistungen, und das Guthaben lässt sich nicht auszahlen. So bleibt es beim Sachbezug.
Es muss zusätzlich zum Gehalt kommen. Gutscheine und Geldkarten fallen nur unter die Freigrenze, wenn Sie sie zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn gewähren. Verzichtet Ihr Mitarbeiter dafür auf Gehalt, oder ersetzt die Karte eine bereits zugesagte Gehaltserhöhung, ist sie steuer- und beitragspflichtig (§ 8 Abs. 4 EStG). Und fällt die Karte später weg, darf sich das Gehalt dadurch nicht erhöhen.
Was zählt auf die 50 € mit?
Die Grenze gilt je Mitarbeiter und Monat für alle Sachbezüge zusammen, die unter die Freigrenze fallen – nicht je Karte. Kommt im selben Monat ein Tankgutschein oder ein Sachgeschenk ohne besonderen Anlass dazu, zählt das mit.
- Laden Sie die Karte mit vollen 50 €, darf im selben Monat nichts Weiteres dazukommen. Wenden Sie gelegentlich anderes zu, laden Sie weniger auf.
- Nicht ansparen: Ein Monat ohne Aufladung lässt sich nicht nachholen, und 600 € auf einmal sind nicht begünstigt. Es zählt in der Regel der Monat, in dem das Guthaben auf die Karte geladen wird. Ihr Mitarbeiter darf das Guthaben auf der Karte dagegen über mehrere Monate sammeln.
- Zählt nicht mit: Leistungen mit eigener Regelung, etwa ein steuerfreier Zuschuss zum Deutschlandticket, ein Dienstrad oder ein Sachgeschenk bis 60 € zu einem persönlichen Anlass wie dem Geburtstag.
Wozu brauche ich einen Anbieter wie Edenred?
Die Freigrenze steht jedem Arbeitgeber offen – auch ohne Dienstleister. In der Praxis scheitert die Umsetzung aber oft an der Kleinarbeit: passende Akzeptanzstellen, monatliche Aufladung, Nachweisführung.
Genau das lösen Anbieter von Guthabenkarten. Sie stellen die Karte mit einem definierten Akzeptanznetz, laden monatlich automatisch auf und dokumentieren die Zuwendungen. Die Mitarbeiter bezahlen per Karte oder App, oft auch über Apple Pay und Google Pay.
In meiner eigenen Kanzlei nutze ich Edenred. Das ist keine Grundsatzempfehlung, sondern schlicht die Lösung, mit der ich arbeite – und deshalb die, zu der ich Ihnen aus der Praxis etwas sagen kann. Daneben gibt es weitere etablierte Anbieter wie givve oder Spendit.
Für die steuerliche Wirkung ist die Wahl zweitrangig – entscheidend ist, dass die Karte die Voraussetzungen eines Sachbezugs erfüllt und die Zuwendung sauber dokumentiert wird. Lassen Sie sich vom Anbieter bestätigen, dass sein Produkt diese Voraussetzungen einhält.
Was bleibt trotz Anbieter an mir hängen?
Die monatliche Aufladung läuft automatisch – die Stammdatenpflege nicht. Neue Mitarbeiter müssen Sie anlegen, ausscheidende deaktivieren, Beträge vor dem nächsten Aufladedatum anpassen. Wer das schleifen lässt, lädt Karten von Mitarbeitern auf, die längst gegangen sind.
Rechnen Sie außerdem mit einem mehrstufigen Aktivierungsprozess auf Mitarbeiterseite: Karte oder Mail erhalten, Konto anlegen, Aktivierungscode eingeben, PIN erhalten. Das ist nicht schwierig, aber es braucht eine klare Ansage von Ihnen – sonst liegen die Karten drei Monate unaktiviert in der Schublade und der Benefit verpufft.
Für wen lohnt sich das?
Besonders für kleine Teams, in denen eine Gehaltserhöhung spürbar ins Geld geht. Der Vorteil ist nicht nur der Betrag: Ein Benefit, den man jeden Monat in der Hand hat, wird anders wahrgenommen als 30 € netto mehr auf der Abrechnung, die nach zwei Monaten niemand mehr bemerkt.
Sinnvoll kombinieren lässt sich die Karte mit einem Dienstrad oder einem Zuschuss zum Deutschlandticket. Zusätzlich zum Gehalt gewährt, läuft beides steuerbegünstigt daneben und verbraucht die 50-€-Freigrenze nicht.
Mein Rat: Was sollte ich vor dem Vertrag klären?
Zwei Dinge: wie die Karte in Ihrer Lohnabrechnung läuft und wer die monatliche Datenpflege übernimmt. Das sind die Stellen, an denen es später hakt.
So setzen Sie es um
- Kurze Zusatzvereinbarung zum Arbeitsvertrag: Gutscheinkarte mit dem monatlichen Betrag, zusätzlich zum Gehalt.
- Eigene Lohnart für den steuerfreien Sachbezug – eingerichtet vor der ersten Aufladung. Die Aufladungen gehören zu den Lohnunterlagen.
- Eine zuständige Person für Ein- und Austritte beim Anbieter, mit festem Termin vor dem monatlichen Aufladedatum.
- Ansage an Ihre Mitarbeiter: Karte bis zu einem festen Datum aktivieren.
Was ist der nächste Schritt?
Sie möchten eine Gutscheinkarte einführen? Wenn Sie bereits mit mir arbeiten, sprechen Sie mich an, bevor die erste Karte aufgeladen wird – dann klären wir Lohnart und Zusatzvereinbarung vorab. Neue Mandate nehme ich derzeit nicht an.
Rechtsstand: Oktober 2026. Dieser Beitrag ersetzt keine steuerliche Beratung im Einzelfall. Die genannten Anbieter sind Beispiele aus der Praxis – für ihre Nennung erhalte ich keine Vergütung.